Das dichterische Bild

Gaston Bachelard – Poetik des Raumes

„Man verlangt von einem Gedichtleser, ein Bild nicht wie ein Objekt anzusehen, noch weniger als Stellvertretung eines Objekts, sondern seine spezifische Realität zu erfassen. Dazu gehört, dass man die Leistung des stiftenden Bewusstseins systematisch mit dem flüchtigsten Erzeugnis des Bewusstseins verbindet: mit dem dichterischen Bild. […] Das Bild in seiner Einfachheit bedarf keines Wissens. Es ist die Frucht eines naiven Bewusstseins. In seinem Ausdruck ist es junge Sprache.“ [10]

„Dadurch erst wird dieses Bild, das uns die Gedichtlektüre darbietet, wirklich unser[:] Es schlägt Wurzel in uns selbst. Wir haben es empfangen, aber wir gelangen zu dem Eindruck, wir hätten es erschaffen können, erschaffen sollen. Es wird ein neues Sein in unserer Sprache, es drückt uns aus, indem es uns zu dem macht, was es ausdrückt, anders gesagt; es ist zugleich das Werden eines Ausdrucks und ein Werden unseres Seins. Hier schafft der Ausdruck ein Sein.“ [14]

 

Aus: Gaston Bachelard – Poetik des Raumes. Frankfurt a. M.: Fischer, 10. Aufl. 2014.

Advertisements